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Montag, 18. Dezember 2017

Hier kommt Dolores!

Im Seifentreff gibt es jedes Jahr einen Adventskalender mit Geschenken in letzter Minute oder netten Weihnachtsideen allgemein. Dieses Jahr habe ich auch dazu beigetragen, mit Dolores, dem Lavendelvögelchen. Warum Dolores? Weil meine Lavendelvögel immer langbeinig sind. Diejenigen von euch, die in der Mittleren Steinzeit Kinder waren und den Uralten aus der Altsteinzeit beim Feiern zugesehen und zugehört haben, so wie ich, kennen vielleicht noch das Lied Die Beine von Dolores. Daher.

Die Grundform für dieses duftende Tierchen ist wie üblich stibitzt, aus einem Video aus dem "Haus mit dem Rosensofa" Kette aus Hühnern. Eine sehr nützliche Anleitung, die sich vielfach variieren lässt. Schaut sie euch mal an!


 Was braucht man also?
  •  Ein Stückchen Stoff für den Körper. Hauptsache, er ist nicht zu dehnbar und nicht zu durchsichtig (Obwohl - grübel, grübel und studier - das könnte doch auch gut aussehen so ein durchsichtiger Vogel aus Organza mit einem Bauch voller Lavendelblüten ...). Stoffgröße: 13x8cm oder, wenn es eine andere Größe sein soll, fast - aber nur fast - doppelt so lang wie breit
  • Einen Stoffstreifen für die Beine. Etwa so breit wie ein normales Schrägband und ca. 25cm lang. Aber ihr könnt auch Schleifenbänder, Sisalschnur etc. nehmen. Was euch gefällt
  • Ein Stück Filz für den Schnabel. Am besten in Rot und nicht zu dünn, sonst doppelt legen
  • Borte für die Schwanzfedern. Bunte Bänder, Schnürchen, Satinbänder - was euch so in die Hände fällt
  • Band zum Aufhängen und eine große Perle, um die Enden des Aufhängers zu verdecken
  • Zwei kleine schwarze Rocailles für die Augen oder dunkelblaue, dunkelgrüne etc.
  • Und natürlich Lavendel fürs Bäuchlein
Dann solltet ihr euch die Nähmaschine bereitstellen, außer ihr näht alles mit der Hand. Stecknadeln braucht ihr, eine lange Stopfnadel und festes Garn (am besten Knopflochgarn) zum Formen des Körpers, eine feine Nadel und dünnes Nähgarn zum Annähen der Perlenaugen (oder zum Nähen des Vogels überhaupt), einen Trichter zum Einfüllen des Lavendels, Maßband, Schere etc.
 

Ich habe mich für pastellige Töne entschieden, dafür wird das Vögelchen leuchtend orangefarbene Beine bekommen
 

Faltet die längere Seite in der Hälfte zusammen, schöne Stoffseite innen, legt den Schnabel und die "Schwanzfedern" ein und zwar richtig herum, nicht wie ich für das Foto. Der Schnabel muss natürlich auch nach innen weisen. Ich habe es glücklicherweise noch rechtzeitig gemerkt. Die Borten für den Schwanz könnt ihr vorher mit ein paar Stichen an den Enden zusammennähen, dann verrutschen sie beim Nähen nicht.


So sollte es dann aussehen, wenn die ersten beiden Nähte fertig sind


Schnabel und Schwanz sauber aufgeräumt auf der schönen Seite des Stoffs

Jetzt kommen die Beine dran (falls ihr nicht einfach Schleifen oder Bindfäden nehmen wollt): Faltet die Seiten des Stoffstreifens zur Mitte, dann nochmals falten und knappkantig zusammennähen
 

In jedes Ende des Streifens einen Knoten schlagen, den Streifen in der Mitte auseinanderschneiden et voilà - fertig sind die Beine von Dolores!

Jetzt werden die beiden Nähte aufeinandergesteckt. Dann habt ihr rechts und links von der Stecknadel eine kleine Tasche. Rollt die Vogelbeine etwas auf (dann stören sie nachher nicht beim Nähen) und steckt jeweils eines in jeder Tasche fest. Das klingt jetzt vielleicht schwieriger als es ist. Auf dem Foto unten ist gut zu erkennen, wie das Endergebnis aussehen muss


Wichtig! Die Naht nicht durchnähen. Rechts und links von der Mitte sollten jeweils ca. 1,5cm offen bleiben als Wendeöffnung


Wenn ihr alles richtig gemacht habt, könnt ihr den Vogel sozusagen aus seinem eigenen Bauch ziehen



Upps. Hier sitzt er, noch leer und blind und etwas bedröpselt
Und nun kann unser Vögelchen befüllt werden


Ich weiß, das Bild ist schlimm, aber der Lavendelvogel wird auferstehen wie Phoenix aus der Asche!
Passt nur auf, dass ihr nicht zu viel Lavendelblüten auf einmal in den Trichter stopft, sonst bleiben sie stecken und zwar hartnäckig. Also immer nur wenige auf einmal hineinrieseln lassen. Zum Schluss fülle ich den Lavendel prisenweise mit den Fingern und ohne Trichter ein. Der Vogelkörper sollte auf Druck noch gut nachgeben, aber keinesfalls prall gefüllt sein


Dann die Wendeöffnung mit kleinen Handstichen schließen
Der Vogelkörper muss noch geformt werden


Dafür mit Daumen und Zeigefinger wie auf dem Bild zusammendrücken
Mit einer langen Stopfnadel und Knopflochgarn ein paar Mal zwischen der Nahtkreuzung am Bauch des Vogels und der Mitte des Rückens hin- und hernähen. Dabei am Rücken den Aufhänger mitfassen. Bei meinem Vögelchen war das eine blaue Organzaschleife. So erhält der Vogel seine endgültige Form. Eine große Perle auf den Aufhänger schieben, um die Bandenden zu verdecken.
Dünnen Faden in eine Nadel mit feinem Öhr fädeln und die Rocailles als Augen aufnähen.


Fertig ist Dolores, die Duftende mit den laaaangen Beinen!
Sie mag gerne über Betten schweben, am liebsten mit vielen anderen als Mobile. Sie baumelt aber auch gerne von Kleiderbügeln. In entsprechender Größe - und natürlich ohne Aufhänger und mit Füllwatte statt Lavendel im Bauch - gibt sie auch ein nettes Kissen für ein Kinderzimmer ab.
Macht ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann!

Viel Spass beim Nachmachen!

 miscellanea

Mittwoch, 13. September 2017

Kastanie bei Vollmond - Oder: Das Runde ins Eckige (Seife Nr. 103)

Der Mond - Bewundert, angeschmachtet und manchmal angeheult - hat offensichtlich einen erheblichen Einfluss auf unser menschliches Leben. Er bewegt das Wasser und unser Gemüt gleichermaßen, muss als Sinnbild für Wankelmut und Weiblichkeit ebenso herhalten, wie für unerfüllbare Träume. Ja, die Schlösser, die im Monde liegen ...
Warum also den alten Knaben nicht auch mal in eine Seifengeschichte verwickeln? Bewusst bei Vollmond Seife sieden, ein paar Zaubersprüchen, ein bisschen um den Kessel tanzen ... ach, nein. Ganz so weit bin ich doch nicht gegangen. Aber Vollmond war schon. Mit dem Sieden hat es auch ganz gut funktioniert, nur hat mein Seiflein so gar keine handschmeichelnd mondrunde Form bekommen, wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Sie ist splittrig hart und kaum zu schneiden. Deshalb habe ich nur ein Stück etwas in Form gesäbelt. Alle anderen sind Rohzuschnitte. Dafür ist der Schaum besonders weich und cremig, geradezu luxuriös.
Ich hatte den Ehrgeiz eine ganz helle, am besten weiße Kastanienseife zu sieden. Passt ja auch wieder zum bleichen Mondgesicht. Dazu muss man natürlich eine arge Schnippelei in Kauf nehmen, denn an den Kastanien darf nicht das kleinste bisschen Keim verbleiben, ganz zu schweigen von der Schale.

Keine Schalen!


Nur schöne, weiße Kugeln, sonst nichts!

Was passiert, wenn man das nicht beachtet, ist im unteren Bild zu sehen. Der Keim tut, was ein Keim eben tun muss. Er keimt und ergrünt. Und mit ihm ergrünt die Kastanienseife. Und wäre das nur ein optisches Problem, wäre mir das echt wurscht. Aber die Pampe fängt fast sofort an zu stinken. Und außerdem steht das für die grüne Farbe verantwortliche Chlorophyll im Verdacht Ranz zu erzeugen.

Im großen Glas: Kastanienseife hell und fein.
Im kleinen schleimen grün die Keime. Urgs!

Nach folgendem Rezept ist in der Vollmondnacht vom 15. Oktober 2016 also meine Kastanienseifenseife entstanden:

455g Olivenöl
55g Babassuöl
Puderzucker
Salz und 130g Kastanienseife für die Sole
Überfettet ist die Seife mit 6-7%. Und duften tut sie nach einer bunten Mischung von ätherischen Ölen: Zeder, Atlaszeder, Weihrauch, Lorbeer, Zitronengras, Zitronenmyrte.

Rohdiamanten! Eher ungehobelte
Kastanienseifenseifenstücke

Hobelversuch von der missglückten Sorte,
aber die Farbe ist sehr schön hell.

Ja, und ein bisschen Vollmond habe ich natürlich auch mit eingerührt. Mal sehen, ob er als Zutat etwas bringt. Die Seife ist jedenfalls sehr angenehm auf der Haut.

Keine Angst, den Vollmond über
dem Predigtstuhl habe ich hängen
lassen.

So, ihr lieben Mitleser. Zur Zeit habe ich wieder etwas mehr Muse für mein Blog. Wie lange das anhalten wird, weiß ich allerdings nicht. Ich werde mir aber - versprochen, versprochen - alle Mühe geben, wieder etwas regelmäßiger zu posten. Mir zur Freude - das kann ich jetzt brauchen (und hoffentlich auch ein bisschen euch zur Freude).


miscellanea

Donnerstag, 6. Juli 2017

Flickwerk in Delaware

Da ich quasi, was das Bloggen betrifft, mehr als ein halbes Jahr oder so geschwänzt habe, werde ich eben jetzt nach Lust und Laune und ganz ohne Ordnung durch die letzten Monate schlendern, hier und da eine Erinnerung aufgreifen und sie samt den zugehörigen Fotos mit mehr oder weniger Gewaltanwendung in einen Post zwingen. Fangen wir also an. Es ist ja nicht so, dass nichts passiert wäre seither. Allein meine Reise in die USA im letzten September erscheint mir inzwischen ganz unwirklich, und wen wundert's. Seit Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, spielt Amerika verrückt. Und auch sonst wird die Welt jeden Tag närrischer, wohin man auch schaut.
Da können ein paar schöne Gedanken nicht schaden: Welches ist der rundeste Geburtstag, den die meisten Leute in Deutschland erleben? Genau der. Der bescherte mir auch als Geschenk eine Reise nach Delaware zu einem Quiltworkshop mit Bonnie Hunter. Es ist gar nicht so einfach, bei einer solchen Quilt Guild einen Kursplatz zu ergattern, noch dazu, wenn eine renommierte Quilterin die Veranstaltung leitet. Aber die Helping Hands Guild in Dover, Delaware, hat mich mit offenen Armen aufgenommen, herzlich, freundlich, eine wahnsinnig nette Truppe!
Ursprünglich wollten wir ja den Workshop mit einem langen USA-Trip verbinden, aber die schönsten Pläne taugen nichts, wenn Termine verlegt werden und in der Arbeit auch nicht alles so rund läuft. Der gemeinsame, große Amerikaurlaub wurde also verschoben, und ich bin am 23. September für eine Woche alleine nach Philadelphia geflogen.
Neun Stunden im Flugzeug. Das ist wie eine endlose Busfahrt ohne eine einzige Pinkelpause, bei der man sich wenigstens die Beine auf festem Boden vertreten kann. Endlich gelandet, Gepäck, Einreiseformalitäten - die USA haben jetzt einen vollständigen Satz meiner Fingerabdrücke (Na, den hätten sie von St. Adelheim auch bekommen können), Shuttlebus zur Autovermietung suchen. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil ich vor über dreißig Jahren zum letzten Mal ein Automatikauto gefahren hatte und das nur für ein paar Stunden zur Übung. Ich muss aber sagen, die Umstellung ging problemlos. Und so bin ich mit meinem roten New Yorker Flitzer direkt im abendlichen Berufsverkehr (weil Frau Landpomeranze ja gänzlich furchtlos ist - manchmal) nach Zentralphiladelphia getuckert, wo ich ein Zimmer für die erste Nacht in fußläufiger Nähe zum historischen Zentrum hatte.

3rd Street South ...

... sieht doch ein bisschen aus wie
das Set von Singing in the Rain

Eine Warnung an alle, die in Philadelphia parken wollen! Mein Auto stand keine 20 Zentimeter in der Parkverbotszone. Trotzdem. Ich kam von meinem Abendspaziergang zurück und es war futsch, weg, gestohlen? Ich also bei der Polizei angerufen und bei der Autovermietung. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es wegen der paar Zentimeter abgeschleppt worden sein könnte. Aber der indische Ladenbesitzer, von dem ich mein Appartement in einem der historischen Häuser gemietet hatte, wusste es besser. Ja, die "parking authority" hatte mein Auto, und ich musste nachts um halb zwölf mit dem Taxi nach Jottwedeh auf einen riesigen Parkplatz fahren, wo ich das Auto dann für eine horrende Strafe wieder auslösen durfte. Danach Entwarnung bei der Polizei und der Autovermietung geben. Oh Mann! Das Härteste aber war, dass ich den Wagen den Rest der Nacht für 27 Dollar auf einem bewachten Parkplatz lassen musste. Und wäre ich nicht um 6 Uhr morgens schon von dort aufgebrochen, hätte ich nochmals 18 Dollar geblecht - Samstagvormittagstarif.

Meine rote New Yorker Feuerspritze

Das Autochen hatte wirklich keine schöne Zeit bei mir: Abgeschleppt - besser "verschleppt" - in der ersten Nacht und von einem Idioten angefahren in der letzten Nacht vor meinem Rückflug, als es auf dem Hotelparkplatz stand und vor sich hin träumte. Es war sicher froh, mich wieder los zu sein.

Only a quarter inch seam allowance -
Weiter stand ich wirklich nicht im
Halteverbot unter diesem Schild

Aber was soll's. So bin ich also morgens um viertel vor fünf aufgestanden und vor dem schlimmsten Berufsverkehr nach Wilmington in Delaware gefahren, um meine Gastgeberin Mary Dawn im Haus ihres Sohns zu treffen. Sie ist Mitglied bei den Helping Hands und hatte mich eingeladen, während meines Besuchs bei ihr und ihrem Mann zu wohnen. Einfach so. Ist das nicht wirklich gastfreundlich? Und überhaupt hat sie mich überallhin mitgenommen, so dass ich mich gar nicht wie eine Touristin, eher wie eine alte Familienfreundin fühlte. Am Samstag ging es gleich weiter in die Hügel von Pennsylvania, zu einem historischen, wunderschön renovierten Farmhaus aus Feldsteinen. Da gibt es sogar noch die ehemalige offene Feuerstelle, mit der schwenkbaren Kesselaufhängung, wie bei den alten Pionieren. So ein schönes und gemütliches Haus habe ich lange nicht gesehen.

Ach! Ich hätte euch so gerne Fotos vom Hausinneren
gezeigt, aber so indezent bin nicht einmal ich

Anlass für den Besuch war ein Baby Shower, bei dem die angehende Mutter im Rahmen einer großen Party mit Nützlichem und Hübschem rund um das erwartete Baby beschenkt wird. Inzwischen ist das kleine Mädchen auf der Welt, ein bisschen zu früh, aber wohlauf. Ich hatte dem Baby auch etwas mitgebracht. Gestrickte Schühchen und Pulswärmer. Die werdende Mama hat sich sehr gefreut, was wiederum mich sehr erfreut hat.

Sie wärmen jetzt Füßchen und Pulse
von Mia Louise

Abends dann ging es in ein bekanntes Fischrestaurant, das am Leipsic River liegt, einem Fluss der in die Delaware Bay mündet. Die Krabbenkutter kommen direkt mit ihrer Ware in den Hafen hinter dem Haus. Man hat den Eindruck, am Meer zu sein.

Den berühmten weiten Himmel
gibt's nicht nur im Wilden Westen

Kann eine amerikanische
Kleinstadtstraße typischer sein?
Zugegeben, soviel sieht man gar nicht

Essen in Sambo's Tavern am Samstag Abend ist eine laute Angelegenheit. Rund um mich herum hämmerten und schlugen die Hungrigen auf die harten Schalen der Krabben ein. Selbst schreiend konnten wir uns kaum über den Tisch hinweg verständigen. Wir haben uns lieber leckere Crabcakes bestellt und ohne Hammer gegessen.

Was von den Krabben übrig blieb -
Ob wohl Prostetnic Vogon Jeltz
heimlich hier zu Gast war?

Anderntags gab's noch mehr Familie, mehr Brüder, Söhne, Nichten, Neffen. Und ich war immer wieder erstaunt, wie groß diese neuen Häuser alle sind, in denen wir sie besucht haben. Es ist ein ganz anderes Wohnkonzept als bei uns. Auch wenn genügend Geld da wäre, werden hier doch häufig kleinere Häuser gebaut. Und die Siedlungsform: Weit auseinander gezogen, mit sehr großen Gärten. Bei uns drängen sich die Häuser viel dichter aneinander. In Mitteleuropa ist der Platz einfach knapp. Delaware ist Platz pur, flach, mit einem weiten Himmel, immer wieder Wald und überall einer Ahnung von Meer.


Reisen bildet:
Schwarzer Buggy: Kent County, Delaware
Blaugrauer Buggy: Lancaster County, Pennsylvania

Meine Gastgeber wohnen in Wyoming einer alten Stadt mit einem kleinen Stadtkern, umgeben von zahlreichen Developments und Farmen, von denen viele den Amish gehören. Die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft werden nicht so gerne fotografiert, deshalb habe ich es beim typischen Buggyfoto belassen, um keine Gefühle zu verletzen.

Stellvertretend für meine Mitbringsel:
Lavendelvögelchen

Sonntagabend waren wir in einem sehr ruhigen Lokal an einem See, keine Hämmer, aber wieder mit ganz leckerem Essen. Ich hatte Pulled Pork, das ist mein ganz persönlicher Favorit. Wir waren eine kleine Gruppe: Die Geschäftsführerin der Helping Hands, ihr Mann, meine Gastgeber und eine alte Dame, die mit ihren 84 Jahren auch noch extra für den Workshop angereist war.

Nicht nur war das Essen gut in dem Lokal, es hatte
auch einen fast prophetischen Fußboden (das
Lokal, nicht das Essen) ...

... Patchworkmuster am ersten Tag
des Workshops: Talkin' Turkey

Die Dame im Vordergrund ist
übrigens Bonnie Hunter. Und den
wunderbaren Quilt auf der Bühne
haben wir auch gepriesen.

Workshop in der Methodistenkirche in Wyoming, die ist groß wie ein Supermarkt, mit einem entsprechenden Parkplatz und einem riesigen Veranstaltungsraum, viel Platz für Gelächter, Unterricht, die Präsentation wunderschöner Quilts, und dazu ratterten die Nähmaschinen. Wie schön!
Am Abend dann - wieder in einer Kirche, diesmal bei Baptistens - ein Vortrag von Bonnie und eine Ausstellung ihrer Quilts, die ich bisher nur von ihrem Blog oder aus ihren Büchern kannte und jetzt ganz aus der Nähe bewundern konnte. Die Vielfalt der verwendeten Stoffe ist schier unglaublich. Ich war so beeindruckt, dass es mir die Rede verschlug. Und das, ihr Lieben, will bei mir schon etwas heißen.

All diese wundervollen Quilts ...


... hier sind sie versammelt. Ah!!
Am liebsten hätte ich jedes der
vielen Tausend Stoffstückchen
einzeln gestreichelt.

Am nächsten Tag ging es weiter mit "My Blue Heaven". Es war eine so schöne Stimmung im Kursraum. Und für mich war es wieder sehr inspirierend einer wahren Meisterin des Patchworkens über die Schulter zu schauen. Ich habe eine Menge gelernt in diesen zwei Tagen.

Praise the Lord and thread the needles, ladies! 
 
Der letzte Tag meines Aufenthalts wurde den Quiltshops in Lancaster County in Pennsylvania gewidmet. Es gibt kleine, feine und große, aber nicht weniger feine: Stoffe über Stoffe, eine Pracht. Ich kaufe gerne übers Internet, aber es ist doch überwältigend, so viele verschiedene Stoffe ansehen und anfassen zu können. Ich wäre fast, glücklicherweise nur fast in einen Kaufrausch verfallen. Vor lauter Stoffen habe ich kaum Fotos gemacht, tss.
Der Abschied von Mary Dawn und ihrem Mann fiel mir richtig schwer. Die beiden sind wirklich nette Leute.

Unterwegs in Pennsylvania an einem
regnerischen Tag

Am Abend saß ich im vierten Stock
im Hotel auf der Fensterbank. Seht
ihr, wie hoch die US-Flagge reicht?

Mein Bett mit den Ergebnissen des
Kaufräuschchens

Da mein Flug erst am Nachmittag ging, hatte ich nach dem Auschecken aus dem Hotel noch schön Zeit den Independence National Historical Park in Philadelphia zu besuchen.

Independence Hall - Ein Hauch von
Geschichte hat mich angeweht oder
war es eher der feine Sprühregen?


Blick auf das Liberty Bell Center vor
der etwas drohenden Kulisse des
modernen Philly
 
Der nüchtern und zweckmäßig
eingerichtete Assembly Room, wo
die Unabhängigkeitserklärung
unterzeichnet wurde


Independence Hall mit Uhrturm und
Extrauhr zur extragenauen Anzeige
historischer Stunden


Congress Hall - Hier tagte der
Kongress von 1790-1800: Ein
schöner Raum, sehr würdevoll,
aber ohne übermäßigen Prunk


Congress Hall kann auch mit einem
rasant steilen Treppenhaus
aufwarten


Liberty Bell - Was aussieht wie der
berühmte Riss, ist es nicht. Der
verbirgt sich - nahezu unsichtbar -
am oberen Teil der Glocke

Auf dem Flughafen dann, kurz vor dem Heimflug, ein bisschen Verrücktheit:

Pipiplatz für Pongo und Perdita


Wenn man bedenkt, was sich seit meiner Reise an wirklichem Irrsinn in den USA ereignet hat und noch ereignet, erscheint mir ein Hundeklo mitten auf dem Flughafengang wie eine nur etwas exaltierte Notwendigkeit - komplett mit Gebrauchsanweisung.

Dabei wäre Amerika so schön!

miscellanea

Sonntag, 11. Dezember 2016

Würzige Anhängsel

Ihr kennt das sicher alle: Nach der Weihnachtsbäckerei bleiben manchmal angebrochene Packungen feiner Gewürze übrig. Oft meint das Schicksal es nicht gut mit ihnen. In Schubladen und Gewürzregalen verrauchen ihre Aromen und sie hauchen ungenutzt und unbeschnuppert ihren herrlichen Duft aus, weil unter dem Jahr typische "Weihnachtsgewürze" einfach etwas seltener in der Küche gebraucht werden.
Dem kann aber abgeholfen werden, wenn man sie mit dem folgenden Rezept zu Gewürzanhängern verarbeitet. Dann finden sie Gelegenheit, ihren weihnachtlichen Duft nutzbringend zu verströmen.
Das braucht ihr dazu:



Zimt, Nelken, Kardamom, Muskat etc. - alle Gewürze, die man z.B. in einen Lebkuchen- oder Spekulatiusteig mischen würde. Ich achte immer auf eine recht zimtige Note. Aber das ist eine persönliche Vorliebe. Auch Nelken und Kardamom können dominieren. Das Wichtigste ist aber immer: Die Gewürze sollten möglichst fein vermahlen sein. Voriges Jahr hatte ich recht grob gemahlenen Zimt. Das gab zwar nette, aber sehr rustikale Anhänger.
Also ca. 100g feinvermahlene Gewürze mit ca. 170-190g feinem Apfelmus (es geht auch Birnenmus oder ganz feines Zwetschgenmus, Hauptsache es ist ohne Stücke) mischen. Der Teig sollte sich anfühlen wie nasser Sand.
Dann zwei volle Esslöffel weißen Bastelleim in den Teig kneten. Jetzt ist der Teig schön geschmeidig.



Zwischen zwei Bogen Backpapier ausrollen, ca. 1/2cm dick für Ausstechformen, ca. 1cm dick für Springerlemodel.



Dazu muss ich sagen, dass ich für die Gewürzanhänger nicht meine Holzmodel nehme, sondern Keramikrepliken alter Model, weil die den Gewürzgeruch nicht annehmen. Diese werden vor Gebrauch gut mit Zimt eingepudert, damit sich der Teig auch wieder leicht aus der Form löst.






Mit einem Schaschlikstäbchen oder einer Stricknadel ein Loch in die Gewürzplätzchen stechen und bei 50°C und leicht geöffneter Ofentür zwei Stunden trocknen. Dann Plätzchen auf die Rückseite drehen und nochmals zwei Stunden trocknen. Alternativ kann man sie auch einige Tage ohne Ofen auf einem Papier aushärten lassen.
Nach Wunsch verzieren. 



Sie sehen aber auch unverziert gut aus. Einfach noch ein schlichtes Band einziehen.



Ich bemale sie aber immer mit goldfarbenen Lackstiften oder Perlenstiften etc., damit sie nicht so leicht mit essbaren Plätzchen verwechselt werden.









Denn über eines muss man sich im Klaren sein. Sie sehen hübsch aus und duften umwerfend. Sie schmecken aber absolut schauderhaft. Fragt mich, woher ich das weiß und wie ich an das Rezept gekommen bin.
Viel Freude beim Nachmachen! 

miscellanea


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